Leitzinsentwicklung: Prognose für 2017

EZBIm März 2016 war der Nullpunkt erreicht: Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte den Leitzins auf 0%. An dieser Leitzinsentwicklung wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch 2017 nichts ändern – Wir wagen eine Prognose:

Leitzinsentwicklung der EZB: wird sich was ändern?

Der Leitzins ist das Instrument der EZB, um die Inflationsrate im gewünschtem Maße zu beeinflussen. Ziel ist es, dass jene im Euro-Raum bei 2,0% liegt. Tatsächlich bewegte sich jene im Oktober 2016 gerade einmal bei 0,2%. Noch immer drückt der niedrige Ölpreis die Teuerungsrate nach unten. Die EZB bleibt deshalb bei der Strategie des „billigen Geldes“, die 2011 begonnen und seitdem aufgrund von Erfolglosigkeit immer weiter verschärft wurde: Der Leitzins ist bei Null.

Banken, die ihr Geld bei der EZB „parken“, müssen sogar eine Strafgebühr von 0,4%  bezahlen. Sie sollen ihr Geld lieber in Form von billigen Krediten an die Wirtschaft und die Verbraucher geben, um auf diese Weise die Ökonomie zu beleben. Im Windschatten dieses Prozesses wird, so die Hoffnung, die Teuerungsrate zulegen, was zu höheren Investitionen aufgrund der Angst vor Preissteigerungen führen soll.

Da die Wirtschaftsdaten aber unverändert nicht erkennen lassen, dass der gewünschte Prozess tatsächlich stattfindet, hat der Rat der EZB um seinen Präsidenten Mario Draghi nach seiner November-Sitzung selbst bekanntgegeben, dass der Leitzins „über längere Zeit“ unverändert bei 0% bleiben wird. Die vorsichtige Zinswende in den USA, wo die hiesige Notenbank den Leitzins zuletzt auf 0,25% erhöht hat, ist kein Vorbild für Europa.

Anleihenkauf der EZB hat keinen Einfluss auf den Leitzins

Seit einiger Zeit kauft die EZB gezielt Anleihen von den Staaten des Euro-Raums. Bis zum Sommer 2016 hatte jenes ein Volumen von 1,74 Billionen Euro. 2016 begann die EZB sogar damit, Firmenanleihen zu erwerben. Ursprünglich war erwartet worden, dass dieser Schritt zu einer höheren Inflationsrate, einer größeren Nachfrage nach Krediten und damit auch die Leitzinsentwicklung in Form einer Erhöhung beeinflussen wird. Diese Erwartungen haben jedoch getrogen.

Tatsächlich hat die EZB das Anleihenkaufprogramm für den Moment sogar gestoppt, auch, weil es rechtlich auf sehr wackligen Füßen steht. Im Dezember 2016 möchte man über die Zukunft des Programms entscheiden. Allerdings würde sich an der Leitzinsentwicklung für 2017 auch dann nichts ändern, wenn es wieder aufgenommen wird. Draghi stellte zuletzt klar, dass der Letzins „lange Zeit über das Ende des Anleihenkaufprogramms unverändert bleiben wird.

Fazit unserer Prognose für 2017: Kredite bleiben günstig, die aber Sparzinsen auch

Für die deutsche Wirtschaft sind ist die Prognose eher ungünstig: Mit zuletzt 0,8% lag die inflationsrate der Bundesrepublik deutlich über der im restlichen Euroraum. Die Wirtschaftsdaten erwiesen sich überdies als überraschend gut. Deutschland bräuchte eigentlich einen höheren Leitzins, weil hierzulande kein Bedarf nach besteht, sehr günstige Kredite zu vergeben, deren Zinsen durch den tiefen Leitzins sehr günstig bleiben. Stattdessen müssen die entsprechenden Sätze auf z.B. Tages- oder Festgeld steigen. Aber auch diese bleiben sehr tief. Schließlich betätigt sich die EZB weiterhin als Konkurrent der privaten Sparer: Sie leiht den Banken Geld zu 0,0%.

Die Strafgebühren für das Parken von Geld, die diesen Effekt verhindern sollten, erwiesen sich tatsächlich als zusätzliches Gift für die Sparer. Erste deutsche Banken haben begonnen, Strafzinsen für zu hohe Einlagen zu nehmen. Auch daran wird sich vorläufig nichts ändern.

Bilderquellen: © eyetronic / Fotolia

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